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 Um Mitternacht von Wolfgang Bellaire

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Selene



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BeitragThema: Um Mitternacht von Wolfgang Bellaire   Fr Sep 06, 2013 9:47 am



Um Mitternacht von Wolfgang Bellaire

Ich war schon mit jungen Jahren ein begeisterter Leser. Umso mehr freue ich mich immer, wenn ich auch mal ein Buch rezensieren kann, das für jüngere Leser geschrieben wurde. Mit Begeisterung las ich „Um Mitternacht“ von Wolfgang Bellaire, welches im Nordfriesischen Kinderbuch Verlag erschienen ist. Ich möchte mich hiermit bei dem Autor und bei dem Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar bedanken. Auf 198 Seiten konnte ich Marieke, Jorieke, Nils und Lasse auf der Suche nach ihren Eltern begleiten.

Marieke, Jorieke und Nils leben mit ihren Eltern in einem kleinen Haus in Flensburg. Die beiden Schwestern verstehen sich sehr gut, doch ihr kleiner Bruder treibt sie täglich in den Wahnsinn. Natürlich klingt das völlig normal, doch leider bleibt es nicht bei diesem alltäglichen Problem. Denn die Eltern der drei Kinder sind so gut wie Pleite. Für das Nötigste fehlt das Geld. Die Hoffnungslosigkeit der Eltern bleibt den Kindern natürlich nicht verborgen. Die Situation wird auch noch von den unzähligen Streitereien zwischen den Eltern verschlimmert. Der Vater hält es eines Tages nicht mehr aus und geht unter dem Vorwand, dass er gegen den Hartz IV-Bescheid Widerspruch einlegen will, aus dem Haus. Als er nach einigen Stunden noch immer nicht zurück gekehrt ist, macht sich die Mutter der drei auf die Suche. Doch auch sie kehrt nicht mehr zurück. Die Kinder haben Angst um ihre Eltern und beschließen sie zu suchen. Doch vorerst müssen sie sich selbst versorgen und so suchen sie das ganze Haus nach Geld ab. Die spärliche Beute muss für lange Zeit reichen, denn wann sie ihre Eltern wiedersehen, wissen die Geschwister nicht. Auf der Suche nach den Eltern, fangen sie beim Arbeitsamt an. Doch leider ist dieser Versuch nicht von Erfolg gekrönt. Die Mitarbeiter können den Kindern nicht helfen. Als sie das Gebäude verlassen, spricht sie ein seltsamer Mann an, der ihnen rät zu Herrn Tschellebi zu gehen. Sie beachten den Mann nicht weiter und in der Hoffnung, dass ihnen die Polizei helfen kann, melden sie ihre Eltern als vermisst. Doch der Polizist nimmt nicht nur die Vermisstenanzeige auf, sondern meldet die Kinder auch beim Jugendamt. Damit hätten die drei Geschwister niemals gerechnet. Auf der Flucht vor der Polizei und dem Jugendamt treffen sie den mysteriösen Lasse, den das gleiche Schicksal ereilt hatte. Ohne Eltern machen sich alle vier auf den Weg zu Lasses Wohnung. Und auch Lasse spricht über diesen unbekannten Herrn Tschellerbi, der erst vor kurzen das Theater gekauft hat. Den Vieren wird schnell klar, dass da etwas nicht stimmen kann und so beginnt eine abenteuerliche Suche...

Ich war früher schon ein großer Fan von Magie und Fantasy-Filmen. Als kleines Kind hatte ich viele Bücher mit Geschichten über Vampire, Hexen und andere Fabelwesen. Deswegen hat mich die Geschichte um die vier Kinder Marieke, Jorieke, Nils und Lasse so fasziniert. Ich las mich sehr schnell in die Geschichte ein, was mir aufgrund der tollen Schreibweise des Autors gut gelang. Diese ist sehr flüssig und nicht zu kompliziert, was für die Altersgruppe, für die das Buch eigentlich sein soll, sehr passend gewählt ist. Obwohl ich kein Kind oder Jugendlicher bin, konnte mich die Geschichte fesseln. Das lag unter anderem an den Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als aller erstes wäre da Marieke. Sie ist eine sehr ernste Zwölfjährige ohne Fantasie. Im Laufe der Geschichte wird sie daran erinnert, dass es mehr gibt als man als Mensch glaubt. Marieke behielt immer einen klaren Kopf und war sehr schwer aus der Ruhe zu bekommen. Mir persönlich gefiel die Entwicklung dieses Charakters. Da sie erst so ernst war, war es schwer an sie heran zu kommen, doch nach und nach entwickelt sie sich zu einem aufgeweckten Mädchen, das auch an Magie glauben kann. Als Zweite im Bunde hätten wir Jorieke. Sie erinnerte mich sehr an mich selbst. Ich hatte oft das Gefühl, dass sie schon sehr früh Verantwortung übernehmen und mit jungen Jahren schon erwachsen werden musste. Doch auch sie durchlebt eine Entwicklung und wird zu dem zwölfjährigen Mädchen, was sie einfach von vornherein hätte sein sollen: ohne jegliche Lasten tragen zu müssen, unbeschwert und frei. Nils, der Rabauke in der Familie, macht den Schwestern das Leben schwer. Er hat seinen eigenen Kopf und setzt den auch konsequent ohne Rücksicht auf Verluste durch. Da er so gut wie nie Angst zeigt, bringt er die vier öfters in eine brenzliche Situation. Doch er ist gewitzt, einfallsreich und nicht kleinzukriegen. Ich glaube, das war mit das Faszinierendste an Nils, dass er nie die Hoffnung aufgeben hat, obwohl er noch so jung ist. Er hat immer an die Rettungsmission geglaubt. Er war manchmal einfach ein Kind und dann wirkte er wieder sehr erwachsen, was für mich wirklich erstaunlich war. Er ist mir sehr ans Herz gewachsen und zeigt auch allen, dass mehr in kleinen Brüdern steckt als die großen Schwestern je ahnen würden. Und ich glaube, die Tatsache dass Lasse zu ihnen gestoßen ist, hat Nils noch mutiger werden lassen. Ich betrachte Lasse auch als Fels in der Brandung. Er schlichtet die Streitereien unter den Geschwistern, geht auf Nils einfühlsam ein und gibt ihm das Gefühl ebenbürtig zu sein. Außerdem gibt er den Situationen immer eine gewisse Ruhe, egal wie chaotisch diese manchmal sind. Obwohl Lasse seine Eltern ebenfalls vermisst, lässt er die Trauer hinter sich und beteiligt sich mit einfallsreichen Ideen an der Suchaktionen. Er war mir von Anfang an sehr sympathisch, weil er zum Glück nicht dieses typische Bad Boy-Klischee bedient. Auch die Nebenfiguren wurden mit Raffinesse kreiert. Und es hat mir Spaß gemacht, ihnen allen zu folgen und in diese tolle, magische Geschichte eintauchen zu dürfen.
Das Cover zeigt die 4 Protagonisten, die sich suchend im Spiegelkabinett umschauen. Der böse Tschellebi wacht dabei über die Kinder und nimmt einen nicht unwesentlichen Platz auf dem Cover ein. Die Farben sind auch alle sehr dunkel, aber sehr passend gewählt. Alles in allem ein sehr gelungenes Cover, welches Lust auf das Buch macht.
Ich kann „Um Mitternacht“ allen empfehlen, die sich nicht zu alt fühlen, um einmal ein tolles Kinderbuch mit allerhand Action zu lesen. Ein tolles Buch für die gesamte Familie.

5 von 5 Schmetterlingen
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